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Was versteht man unter Präanalytik?

Unter Präanalytik werden alle Prozesse zusammengefasst, die vor der eigentlichen Laboranalyse ablaufen, im einzelnen sind dies:

  • Gewinnung und Beschriftung oder Kennzeichnung des Probenmaterials
  • Überbringung und Aufbewahrung in das entsprechende Medium
  • Transport der Probe unter geeigneten Bedingungen in das Diagnostiklabor
  • Auftragserteilung mit entsprechenden Patientendaten
Die Zuverlässigkeit von Laborbefunden kann von uns nur teilweise beeinflusst werden. Entscheidenden Einfluss haben die Bedingungen, denen das Prüfmaterial unterliegt, bis es im Labor eintrifft. Das Labor kann nur die zuverlässige Bearbeitung des ihm übergebenen Prüfmaterials garantieren.

Es ist daher erforderlich, dass TierärztInnen und das Fachpersonal, die Prüfmaterial gewinnen, Kenntnisse über präanalytische Einflussfaktoren haben, um nach Möglichkeit Fehler zu vermeiden.

Welches sind die häufigsten Fehler in der Präanalytik?

Die präanalytische Fehler machen 1/2 bis 2/3 aller „Labor Fehler“ aus. 
  • Proben nicht oder ungenügend gekennzeichnet
  • Auftrag ungenügend definiert: Falscher Einsender, falsche Patientendaten, fehlender oder falscher Auftrag, Auftrag stimmt nicht mit Probematerial überein, etc.
  • Vorbehandlung des Patienten: Beimischung Infusion, Antibiotikabehandlung, etc.
  • Falscher Entnahmebehälter
  • Falsche Probenahme, ungenügendes Probevolumen, verdorbenes Probematerial

Die Konsequenzen eines präanalytischen Fehlers können grob falsche Resultate sein, die durch das obligatorische laborinterne Fehlermanagement nicht in jedem Falle erkannt werden können.

Folgen von fehlerhaften Laborresultaten als Folge von präanalytischen Fehlern:

Oft bleiben Fehler in der Präanalytik ohne Folgen, weil die Resultate keinen Handlungsbedarf ergeben oder unwahrscheinlich scheinen. Die häufigste Konsequenz ist jedoch, dass die Tests wiederholt werden müssen oder zusätzliche unnötige Untersuchungen durchgeführt werden. Dadurch entstehen nicht nur unnötige Kosten, auch eine gezielte und frühzeitige Behandlung kann betroffen sein. 

Gelegentlich wird ein Patient auf Grund präanalytischer Fehler unnötig behandelt. Eine nichtindizierte Elektrolyt-Infusion gehört dabei eher zu den gutartigen Behandlungsfehlern. 

Die Möglichkeiten des Labors präanalytische Fehler zu erkennen.

Durch eine strenge Eingangskontrolle des Patientenmaterials im Labor werden die meisten Fehler schon zu Beginn erkannt. Bei der eigentlichen Analyse fallen unseren erfahrenen Laborantinnen unerwartete Beobachtungen auf, die z.B. auf ein falsches Probematerial schliessen lassen können. Bei der Validierung der Resultate durch die Tierärzte werden unwahrscheinliche Laborresultate erkannt (Plausibilitätskontrolle). Beim Vergleich mit der Indikationsstellung oder mit der angegebenen Anamnese und Klinik fallen Ungereimtheiten auf (Deltacheck)

Dennoch kann es vorkommen, dass die üblichen internen und externen QC-Schemata nicht greifen. Scheinbar pathologische Werte können z.T. auf Patientenvariablen zurückgeführt werden. 

  • Körperlage während der Probenahme
  • Nahrungseinnahme / Diät
  • Biologische Rhythmen
  • Bewegung, Trainingszustand
  • Alter, Geschlecht
  • Trächtigkeit
  • Begleitkrankheiten
  • Diagnostisch therapeutische Massnahmen
  • Arzneimittel: In vivo > in vitro Effekte